Die Anfänge


Die Verleihung des Bergbauregals (hoheitliches Nutzungsrecht) durch Kaiser Karl IV an den Grafen Ulrich den Jüngeren von Helfenstein am 14. April 1365 wird gemeinhin als der Beginn der industriellen Eisengewinnung und Eisenverarbeitung im Gebiet der württembergischen Ostalb angesehen. Die Mönche des durch Stiftungsurkunde von1303 von König Albrecht von Habsburg gestifteten Klosters Fontis regis (der Brunnen des Königs) hatten bereits 1361 das Mühlenregal erhalten. Dieses Recht wurde 1366 zusammen mit der Einschränkung des Bergbauregals für den Grafen Ulrich noch einmal bestätigt. Die Mönche und nicht Graf Ulrich von Helfenstein hatten somit das Recht der Eisengewinnung auf ihrem Gebiet.

Die erste Eisenschmiede entstand zwischen 1471 und 1479 in Itzelberg. Dort wurde der Höhenunterschied zwischen dem Wasserspiegel des von den Zisterziensermönchen angelegten Itzelberger Sees und dem Lauf der Brenz ausgenutzt, um einige Wasserräder anzutreiben. Noch heute, mehr als 500 Jahre später, wird dort die Wasserkraft durch die Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung benutzt, um deren Pumpen zu betreiben.


Der Beginn am Brenzursprung


Der Beginn der Wasserkraftnutzung am Brenzursprung geht bis ins Jahre 1529 zurück. Der wohl bedeutendste Abt des Klosters, Melchior Ruof, ließ dort eine Eisenschmiede bauen, die am 5. Juli 1529 in Betrieb genommen wurde. Königsbronn war im ganzen Umkreis die einzige Produktionsstätte, in der geschmolzen und geschmiedet wurde. Aus der Zeit vor 1600 liegen keine detaillierten Hinweise zu den Wasserkraftanlagen am Brenzursprung vor. 1592 wurden aber in Königsbronn und Itzelberg zwei Schmelzöfen, ein Blechhammer in Itzelberg und verschiedene andere Anlagen betrieben. In Königsbronn dürften zwischen 4 und 7 Wasserräder in Betrieb gewesen sein. Dem Nachlass des herzoglichen Baumeisters Heinrich Schickhardt ist die Zeichnung einer Wasserkraftanlage am Brenzursprung zu verdanken, die heute im Torbogenmuseum zu sehen ist.


Die Hochzeit im 18. Jahrhundert – Johann Georg Blezinger


Die nächsten zwei Jahrhunderte waren ein stetiges Auf und Ab. Schwer zu leiden hatte das Hüttenwerk unter den Folgen des 30jährigen Krieges. Auch Mitte des 18. Jahrhunderts verschärfte sich die wirtschaftliche Lage, da es unter anderem Probleme mit der Holzversorgung gab.
Am 19. Juni 1747 kam es zu einem Vertrag mit dem Königsbronner Löwenwirt Georg Blezinger und seinem Sohn Johann Georg, die sich verpflichteten, 7000 Zuber Nadelholzkohle zu liefern. Tatsächlich lieferten sie nahezu das dreifache an Nadelholz, das sie im Welzheimer Wald einschlagen ließen. Damit kam es zu einem Aufschwung und Mitte des 18. Jahrhunderts konnten die Eisenwerke wieder gute Gewinne erwirtschaften. Die Reparaturen und Erneuerungen nach dem 30jährigen Krieg hatten sich ausgezahlt. Den Höhepunkt ihrer jahrhundertelangen Entwicklung erreichten die Werke dann Ende des 18. Jahrhunderts. Maßgeblich daran beteiligt war Johann Georg Blezinger. 1775 baute er das in unmittelbarer Nähe zum Hammerwerk bestehende Wirtshaus zu einem großzügigen Wohnhaus um und versah das Gebäude mit einer verspielten Rokoko-Fassade. Das sogenannte „Blezinger-Palais“ ist das heutige Rathaus und beherbergt auch ein eigens eingerichtetes Fürstenzimmer.

Berühmtheit erlangten Königsbronn und Blezinger durch den Bau des bekannten „Eisernen Wasserkastens“ unmittelbar am Brenztopf im Jahre 1772. Dies war ein Kasten zur Ableitung des Wassers aus gusseisernen Platten zusammengefügt, der es ermöglichte, 9 Wasserräder oberschlächtig zu betreiben, d.h. das Wasser wird von oben dem Wasserrad zugeführt und durch Regulierung mittels der eingebauten Fallen konnten sogar noch deren Geschwindigkeit gesteuert werden. Aufsehen erregte dieses Bauwerk bis über die deutschen Grenzen hinaus. Noch heute ziert eine Schmucktafel am Schmiedefelsen vom Besuch des Herzogs Carl Eugen, der zur Einweihung dieses Bauwerkes in Königsbronn weilte.

Nach dem Ende der Verpachtung an die Söhne Blezingers ging das Königsbronner Werk im Jahr 1806 wieder in die Staatsverwaltung über. Damals umfasste das Werk am Brenzursprung das 1779 erbaute alte Hammerwerk und das 1789 errichtete neue Hammerwerk. Als Antrieb diente das Wasser der Brenzquelle, das über den eisernen Wasserbau geleitet wurde.


Die Weichenstellung im 19. Jahrhundert


In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die allgemeine wirtschaftliche Situation. Vor allem der Handel mit Erzeugnissen der Hammerwerke stagnierte. In den Jahren 1860/61 wurde der 1789 errichtete Bau der neuen Ham-merschmiede abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Es entstand das heute noch vorhandene Gebäude, welches später als Brenzturnhalle genutzt wurde.

In dieser schwierigen Situation entschied sich 1866 der damalige Hüttenverwalter Karl Hermann Reusch für die Spezialisierung auf Hartgusswalzen, um mit diesem Nischenprodukt, in hervorragender Qualität gefertigt, gegen die Konkurrenz der großen Stahlwerke bestehen zu können. Diese Entscheidung war für die heutigen Schwäbischen Hüttenwerke von enormer Bedeutung. Legte sie doch den Grundstein für eine Spezialisierung ohnegleichen. Heute sind die Schwäb. Hüttenwerke Weltmarktführer bei gerade dieser Herstellung von Hartgusswalzen für die Papierindustrie.


Die Entscheidung Reuschs bedeutete aber auch das Ende der Hammerwerke am Brenzursprung. 1868 entstand im alten Hammerwerk eine weitere Walzendreherei mit 5 Drehbänken. 1889 schließlich wurde der Betrieb im „neuen Hammerwerk“ eingestellt. Im gleichen Jahr wurden das „alte Hammerwerk“ und der „Eiserne Wasserbau“ von 1772 abgebrochen.


1890 – Die erste Turbine


Im Zuge dieser umfangreichen Maßnahmen wurde 1890 ein neues Turbinenhäuschen errichtet und darin die erste Turbine am Brenzursprung installiert. Die Fa. Voith, Heidenheim konstruierte und fertigte eine Francisturbine mit einem maximalen Schluckvermögen von 1.200 l/sek. und für normal 900 l/sek. Damit war eine Leistung von normal etwa 33 PS (25 KW) möglich, max. wurden etwa 40 PS (30 KW) erreicht.


Der Strom wurde mittels eines Kabels zur neuen Dreherei am Pfefferursprung geleitet. Über die Inbetriebnahme schrieb die Kocherzeitung am 25.12.1890: „Heute wurde auf dem Königlichen Hüttenwerk Königsbronn die elektrische Kraftanlage in Betrieb gesetzt, welche die bedeutende Wasserkraft des Brenzursprungs auf die linke Seite unseres Tales zu der dort befindlichen Walzendreherei zu übertragen bestimmt ist (gemeint ist die Walzendreherei am Pfefferursprung). Es ist die erste elektrische Kraftübertragung in unserem Lande.“ Der Strom wurde vom Turbinenhaus am Ursprung zu dem heute noch dort befindlichen „kleinen Eifelturm“ auf dem Schmiedefelsen mittels eines Kabels gelegt und von dort über die Dächer von Königsbronn zum langen Haus und weiter zum Drehereigebäude am Pfeffer geleitet. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde auch die Mauerkrone am Brenzursprung erhöht, um eine Fallhöhe von 3,70 m zu erreichen. Dabei entstand die heute noch bestehende Fassung des Quelltopfes.


1927 – Die zweite Turbine


Am 9. Juni 1927 wurde von den jetzt Schwäb. Hüttenwerken GmbH bei der Fa. Voith in Heidenheim eine leistungsfähige Kaplanturbine bestellt. Sie war auf ein max. Schluckvermögen von 2.950 l/sek ausgerichtet und sollte bis zu 118 PS
(86 KW) leisten. Es war eine der ersten Kaplanturbinen der Fa. Voith.

Die Turbine war für max. 2.950 l/sek. ausgelegt, eine Wassermenge, die von der Brenzquelle mit einer durchschnittlichen Schüttung von 1200l/sek. nur an wenigen Tagen des Jahres erreicht oder überschritten wird. Hingegen musste die Maschine bei geringerer Quellschüttung oft im Bereich eines schlechten Wirkungsgrades ge-fahren werden. Schlimmer noch – an sehr vielen Tagen des Jahres konnte sie gar nicht betrieben werden, da die Wassermenge einfach zu gering war. Dies führte dazu, dass die Turbinenanlage 1959 stillgelegt wurde.


Die 3. Turbine - High-Tech-Anlage des Jahres 2000


In den 90er Jahren griff der Gemeinderat auf Initiative von Bürgermeister Michael Stütz wieder das Thema Wasserkraft am Brenzursprung auf. 1994/95 wurden Teile der alten Anlage demontiert und auf ihren Zustand, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Wiederverwendung, untersucht. Laufrad und Leiteinrichtung zeigten sich damals in erstaunlich gutem Zustand, auch die bauliche Substanz im Turbinenhaus von 1890 wies nur geringe Mängel auf. Verschiedene Interessengruppen boten an, die Anlage zu renovieren und zu betreiben. Die Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Michael Stütz entschlossen sich aber, die Rechte zum Betrieb der Anlage nicht an Dritte zu vergeben. Vielmehr sollte die in Jahrhunderten gewachsene Anlage, bestehend aus Rathaus – ehemals „Blezinger-Palais“ -, Hammerschmiede und Wasserkraftanlage nicht aufgeteilt werden. Im Dezember 1997 entschloss sich dann der Gemeinderat zur Sanierung der Anlage. Nach detaillierten Untersuchungen der Fachleute der Fa. Voith Hydro entschloss man sich zur Überarbeitung und Reparatur der alten Turbine mit Einbau entsprechender Neuteile. In Absprache mit der Fa. Voith Hydro entschied man sich wohl auch deshalb zur Überarbeitung der Anlage, weil auf allen Seiten doch eine gewisse Verpflichtung zu spüren war, eine der allerersten Kaplanturbinen zu erhalten. Die Gemeinde bemühte sich um das Wasserrecht und so begannen umfangreiche Renovierungsarbeiten am Quelltopf, den Wehren, im Turbinenhaus und an der Turbine.

Stolz konnte dann im November 2000 die überholte Anlage wieder in Betrieb genommen werden.

Quelle: „Die Nutzung der Wasserkraft am Brenzursprung“ von Gerhard Fiur. Die Broschüre ist im Rathaus Königsbronn erhältlich.